Praktikumsbericht: Campusengel

von Afi S.

Im Rückblick auf mein bisheriges Universitätsleben muss ich eins zugeben: Meine gesamte Universitätslaufbahn war im Grunde nichts anderes als ein langes Auslandsstudium. Und wie es das Schicksal so wollte, begann alles mit einem Termin im International Office in Singapur, als mein Interesse für ein Bachelorstudium in Australien geweckt wurde. Dabei war die umfassende und persönliche Unterstützung der Mitarbeitenden von großer Hilfe, ohne die meine Erfahrung vermutlich ganz anders ausgesehen hätte.

Als englische Muttersprachlerin mit visuellen und redaktionellen Fähigkeiten sowie einem starken Interesse an Kultur (Sprache und Medien) wollte ich diese Art der Unterstützung also an abenteuerlustige Studierende zurückgeben – und so begann meine Praktikumserfahrung als sogenannte „Campusengel” an der Europa-Universität Flensburg (EUF).

Anstatt nur „ergoogelbare“ Fakten anzubieten, sah ich die Rolle von Campusengel als eine Gelegenheit, einen möglichst sicheren Raum für neue Studierende aus unterschiedlichsten Lebenswelten zu schaffen. Als selbst internationale POC und queere Studentin bestand meine Vision als Campusengel darin, Studierende auf ihrem geographischen und emotionalen Weg durch ihr neues Uni-Leben zu begleiten – und dabei sicherzustellen, dass sie sich dabei auch in ihrer eigenen Haut wohl und sicher fühlen.

Beim ersten Kennenlernen-Meeting machten wir uns mit dem ganzen Campusengel-Team, das aus Studierenden mit diversen Hintergründen bestand, vertraut, um zusammen unsere Verantwortungen und Aufgaben zu definieren. Diese lauteten wie folgt:

• Unterstützung aller neuen Studierenden bei administrativen Angelegenheiten sowie bei ihrer sozialen Integration

• Personalisierte Unterstützung von diversen Studierenden aus verschiedenen Ländern, Hintergründen und mit besonderen Bedürfnissen

• Betreuung und wenn nötig Begleitung bei Wohnungssuche, Besichtigungen sowie anderen wichtigen Terminen

• Konkrete Vorbereitung (Budgetplanung, Organisation, Marketing etc.), Koordination und Durchführung von Veranstaltungen, Tagesausflügen und Exkursionen sowie Teilnahme an den Aktivitäten

• Info-Desk Support für offene Gespräche und direkte Unterstützung bei allem rund um Universitätsleben inkl. praktischen und bürokratischen Belangen.

Besonders spannend fand ich den Einführungsworkshop zum Diversitätstraining, der bereits zu Beginn des Praktikums von der Hauptkoordinatorin des International Office EUF Frau Lucila Morales de Mittag organisiert wurde, um uns auf die Arbeit als Campusengel vorzubereiten. Es wurden die Grundlagen von Vielfalt und Inklusion in sozialen und insbesondere akademischen Kontexten vermittelt. Ziel war dabei, das Bewusstsein für Unterschiede zwischen Menschen, eigenen Privilegien, Machtverhältnissen und struktureller Diskriminierung zu fördern und den offenen und empfindungsvollen Umgang miteinander zu stärken. In Form von offenem Austausch, Rollenspielen und Gruppenarbeit hatten wir die Chance, uns auf solche Themen zu sensibilisieren. Dies lag mir sehr am Herzen, weil insbesondere wir im besten Fall die erste Beratungsstelle bei vielen Studierenden wären.

Zum Abschluss durften wir die Veranstaltung des Jahres „The Intercultural and Diversity Celebration” organisieren. Als kreativer Kopf entschied ich mich, den Marketing- und Vertriebsbereich zu leiten. Ich durfte dabei die Marketingkampagne des Jahres konzipieren, Designmaterialen wie Broschüren, Poster, Plakate und Tickets entwerfen und mich um den Ticketvertrieb kümmern. Dieser besondere Abend sollte im Zeichen von Interkulturalität, Diversität und Offenheit stehen, und den Studierenden die Möglichkeit bieten, daran teilzunehmen und ihre Talente zu offenbaren. Von der palästinensichen Kuffiyeh bis zum indischen Saree konnte ich an diesem Abend auf der Bühne miterleben, wie die Studierenden voller Stolz und Verwundbarkeit ihre Herkunft präsentierten. „The Intercultural and Diversity Celebration” war also durchaus eines meiner Highlights in meiner Zeit als Campusengel.

Kurz gesagt: Internationale Zentren sind von unschätzbarem Wert. Deshalb bin ich sehr dankbar – sei es durch visuelle Inhalte oder persönliche Beratung – neuen Studierenden vermitteln zu können, dass das International Center der EUF für sie da ist. Meine Zeit beim International Center EUF hat mir eine Perspektive gegeben, wie ich meine Zukunft und Karriere gestalten könnte — also im Kern von Kultur und Diversität und aus diesem Grund kann ich es auf jeden Fall empfehlen.